Der Piastenweg ist die älteste kulturtouristische Route in Polen. Es ist ein Ort, an dem man tausend Jahre Geschichte nahezu anfassen, die Atmosphäre des Lebens in einem mittelalterlichen Burgwall spüren und sehen kann, wo „Polen begann“. Obwohl die Route bereits seit vierzig Jahren existiert, lässt sie sich jedes Mal neu entdecken! Es zeigt sich, dass Geschichte wirklich faszinierend sein kann. Geheimnisvolle, befestigte Burgwälle, majestätische Steinruinen und bezaubernd schöne mittelalterliche Kirchen sorgen für die unglaubliche Stimmung einer Zeitreise.
Die Ursprünge der polnischen Geschichte sind untrennbar mit der Dynastie der Piasten verbunden. Die Mitglieder dieser Herrscherfamilie legten im 10. Jahrhundert den Grundstein des Staates und regierten ihn die nächsten 400 Jahre lang. Die Piasten hatten ihre Wurzeln in Großpolen, das in den ersten hundert Jahren als Mittelpunkt ihrer Macht fungierte und auch in späteren Jahrhunderten eine äußerst wichtige Rolle spielte – als Ort für Königskrönungen und die Bestattung von Herrschern. Der Piastenweg ist eine Erinnerung an diese Zeit: wo Mieszko lebte, wo Chrobry seine Königskrone aufsetzte, wie der Adler zum Wahrzeichen Polens wurde und wie der mächtige Kasimir der Große durch geheime Tunnel fliehen musste.

Wo sollte man anfangen?
Der Piastenweg verläuft in zwei Richtungen: in Nord-Süd-Richtung (von Wągrowiec nach Kalisz) und in Ost-West-Richtung (von Kowal nach Lubiń). Der Ort, an dem sich beide Routen durchkreuzen, ist Gniezno – der Mittelpunkt des ganzen Piastenweges. Insgesamt gibt es 33 Orte zu besuchen.
Welche Sehenswürdigkeiten bietet der Piastenweg? Wir fangen in Gniezno an, wo sich beide Routen durchkreuzen. Schon von weitem sichtbar ist die tausend Jahre alte Kathedrale Mariä Himmelfahrt, der Krönungsort von fünf polnischen Königen und die letzte Ruhestätte des Heiligen Adalbert, des ersten Heiligen, der mit unserem Land verbunden ist, und zugleich dessen Schutzpatron. Vergessen Sie nicht die berühmte Bronzetür von Gniezno, ein einzigartiges Denkmal der romanischen Kunst.
Wenn Sie einen längeren Aufenthalt in Gniezno planen, sollten Sie sich unbedingt die ganze Stadt ansehen. Der Königsweg in der Stadt hilft Ihnen dabei, zwischen den interessantesten Orten zu navigieren. Sie können dafür die Królika Goń! App oder die Papierbroschüren der Touristeninformation nutzen. Auf dem Weg werden Sie von Kaninchenfiguren begleitet, die an verschiedenen Stellen in der Stadt versteckt sind. Jedes Kaninchen erzählt eine andere Geschichte. Können Sie alle Kaninchen finden?

Einen idealen Abschluss und zugleich eine Zusammenfassung der Besichtigung bietet der Besuch im Museum der Ursprünge des Polnischen Staates mit der multimedialen Ausstellung.
Ein guter Einstieg wäre auch der Besuch im Freilichtmuseum der Miniaturen des Piastenweges in Pobiedziska, wo alle berühmten Bauwerke aus der Zeit der Piasten (und viele andere Sehenswürdigkeiten Großpolens) im Maßstab von 1:20 zu sehen sind.
Klassiker, die man gesehen haben muss
Auf halbem Weg zwischen Poznań und Gniezno, im Dorf Dziekanowice, liegt Ostrów Lednicki, oft als die „Insel der Herrscher“ bezeichnet. Zur Zeit der ersten Piasten befand sich auf dieser Insel eine ihrer mächtigsten Burgwälle. Heute gibt es davon imposante Ruinen, die durch das Museum der Ersten Piasten auf Lednica betreut werden. Früher war die Insel über massive Brücken aus Eichenstämmen zu erreichen, heute werden die Touristen mit der Fähre befördert.
Zwei weitere Burgwälle aus dieser Epoche gehören ebenfalls zum Museum: Burgwall Giecz und Burgwall Grzybowo, die zur Zeit der ersten Piasten zu den mächtigsten Burgwällen auf den polnischen Gebieten gehörten.

Wenn Sie weiter nach Osten fahren, erreichen Sie Poznań. Die Hauptstadt Großpolens bietet eine ganze Reihe von Attraktionen, zunächst einmal lohnt sich aber der Besuch in der Kathedrale von Poznań. Diese Kathedrale war der Sitz des ersten polnischen Bischofs und wurde später zur Nekropole der Herrscher aus der Dynastie der Piasten. In der Nähe der Kathedrale befindet sich eine gotische Kirche, die an der Stelle des Steinpalas von Mieszko und der ersten christlichen Kapelle auf den polnischen Gebieten errichtet wurde. Heute werden die Umrisse dieses ehemaligen Bauwerkes in der Nacht durch eine Installation beleuchtet.
Der Rundgang sollte jedoch mit einem Besuch im hochmodernen Gebäude der Porta Posnania beginnen, wo eine multimediale und interaktive Ausstellung die zehn Jahrhunderte der Geschichte von Ostrów Tumski und Poznań näher bringt. Das rekonstruierte Königsschloss liegt ebenfalls auf dem Piastenweg. Dort erfahren Sie, wie es dazu kam, dass das persönliche Wappen von Przemysl II. – ein weiß gekrönter Adler – zum Symbol von ganz Polen wurde. Das Schloss ist übrigens ein toller Aussichtspunkt über die Stadt!
Entdecken Sie etwas Neues!
Südlich von Poznań liegt die Ortschaft Lubiń mit einer romanisch-gotischen Basilika und einem Benediktinerkloster. Den Berichten zufolge sollte zwischen diesem Benediktinerkloster und Gall Anonim selbst eine Verbindung bestanden haben. Heute ist es jedoch der berühmte Kräuterlikör „Benedyktynka“, der im Kloster hergestellt wird und für die meiste Aufmerksamkeit sorgt.

Der östliche Teil Großpolens ist ebenfalls reich an Attraktionen mit Piastenbezug. In Konin befindet sich zum Beispiel ein Meilenstein aus dem Jahre 1151 – der älteste Wegweiser in diesem Teil Europas. Kalisz hingegen – der Legende nach ein Burgwall mit uralten Wurzeln – lädt zu einem Besuch im archäologischen Park Zawodzie ein, mit dem rekonstruierten mittelalterlichen Burgwall und den Überbleibseln mittelalterlicher Bauwerke. Vergessen Sie bei Ihrem Besuch in Kalisz nicht, die köstlichen lokalen Waffeln zu probieren!
Wenn Sie sich für einen Ausflug östlich von Gniezno entscheiden, sollten Sie unbedingt eine Pause in Trzemeszno einplanen und die dortige Basilika besichtigen. Der Piastenweg führt weiter nach Osten, wo sich die Ortschaft Mogilno mit dem malerischen Benediktinerkloster aus dem Jahre 1050 befindet. Auf dieser Route liegt auch die berühmte Stadt Kruszwica mit dem sagenumwobenen Mäuseturm, um den sich die Legende vom bösen König Popiel rankt, und der in Wirklichkeit ein Überbleibsel der Burg von König Kasimir dem Großen ist.
Veranstaltungen auf der Strecke
Auf dem Piastenweg gibt es nicht nur stumme Zeugen der alten Zeiten. Die Route bietet auch alljährliche Veranstaltungen, die die Geschichte auf erstaunliche Weise lebendig werden lassen. Als ein guter Anfangspunkt bietet sich bereits im Frühjahr das Festival der Slawischen und Zisterziensischen Kultur in Ląd an, wo die Besucher sowohl das Leben in einem alten Burgwall als auch in einem mittelalterlichen Kloster erkunden können. Ende Juli empfiehlt sich dagegen ein Besuch in Gniezno, wo am Fuße der Kathedrale eine Königskrönung stattfindet. Im August hingegen kommen mehrere Reenactment-Gruppen zum Burgwall Grzybowo, um dort am Turnier der Krieger Grzybowo teilzunehmen, bei dem regelmäßig Kampfvorführungen stattfinden, die mit einer großen Schlussschlacht enden. In die mystische Welt des heidnischen Glaubens führen die Veranstaltungen im Burgwall Giecz ein, insbesondere die Totenfeier „Dziady“ im November, bei der man vorchristliche Bestattungsriten beobachten und sich in die Welt der Mythen und Legenden unserer slawischen Vorfahren versetzen lassen kann.

Von Mai bis November können Sie den Burgwall Pobiedziska besuchen, wo mittelalterliche Belagerungsmaschinen (u. a. Schießkatapulte), alte Waffen und andere Aspekte des Lebens in der Zeit der Piasten unter den wachsamen Augen des dortigen Comes präsentiert werden. Wer genug Mut hat, kann sogar das Trebuchet oder die riesige Wallarmbrust selbst abfeuern.