Den mittelalterlichen Chroniken zufolge war Giecz neben Poznań, Gniezno oder Włocławek eine der mächtigsten Burgwälle zur Zeit des Fürsten Mieszko I., des ersten Herrschers von Polen. Eine Überraschung, wenn man bedenkt, was für ein kleines und verschlafenes Dorf das heutige Giecz ist. Die ehemaligen Befestigungsanlagen sind jedoch immer noch gut sichtbar. Außerdem sind dort die Überbleibsel des fürstlichen Palastes und eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert erhalten geblieben. Giecz ist einer der interessantesten Orte auf dem Piastenweg.
Die archäologischen Schätze werden durch das Museum der Ersten Piasten auf Lednica betreut. In den Überbleibseln der Wallanlagen wurde das Museumsgebäude mit einer interessanten Dauerausstellung eingerichtet. Daneben sind die Fundamente des fürstlichen Palastes zu sehen. Die Bauarbeiten wurden jedoch nie abgeschlossen. Warum? Das wissen wir leider nicht. Sicher ist jedoch, dass der mächtige Burgwall nach dem Einfall des Herzogs Břetislav in der Mitte des 11. Jahrhunderts an Bedeutung verloren hat.


Schon außerhalb der Wallanlagen wurde eine große Ausbildungsstätte errichtet, wo die Besucher erfahren können, wie die Menschen vor 1.000 Jahren gelebt haben. Hier befinden sich die Hütten von Fischern, Bauern und Töpfern. Hier können die alten Spiele von damals gespielt werden und bei zahlreichen Veranstaltungen kann beispielsweise das polnische Fladengebäck, die so genannten „Podpłomyki“, gebacken oder ein Tontopf mit eigenen Händen geformt werden.
An der Stelle der ehemaligen Vorburg steht die St.-Nikolaus-Kirche, ein sehr schlichtes Bauwerk aus Steinblöcken. Sie ist heute circa 900 Jahre alt und damit eine der ältesten Kirchen Polens.
Jedes Jahr im November erwacht der Burgwall Giecz während einer einzigartigen Veranstaltung zum Leben – der Totenfeier „Dziady“. Dabei ist „zum Leben erwachen“ nicht gerade der beste Ausdruck, denn bei „Dziady“ handelt es sich um eine Rekonstruktion alter, vorchristlicher Rituale zu Ehren der Toten und ihrer Geister. Wenn es dunkel wird, werden Lagerfeuer, Fackeln und Hunderte von Kerzen angezündet, ein Chor singt stimmungsvolle Lieder und die Mitglieder von Reenactment-Gruppen spielen die Rollen heidnischer Priester.