Ausflug in den Norden von Großpolen ist vor allem Expedition ins Land der Wälder, vor allem Nadelwälder, Seen, Waldflüssen (perfekt für Kajaks!), aber auch weitläufiger Wiesen und Tälern der Noteć entlang. Das ist auch Reise ins historische Grenzgebiet von Großpolen und Pommern, wo sich Traditionen, Sprachen und Kulturen miteinander mischten. Der Grenzlage, also am Rande, verdankt ihren Namen die Umgebung von Złotów – Krajna [poln. „kraj“ – Land, aber auch Rand, „kraina“ – Land, Gegend] .
Złotów
Złotów, als Krajnas Herz, liegt am Fluss Głomia und einigen Seen. Das Leben in dieser charmevollen Stadt lauft eben am Wasser. Dort verläuft die malerische Promenade, die Restaurants geöffnet, Konzerte im Stadt-Amphitheater veranstaltet. In der Nähe liegt Zagroda Krajeńska/Krajeńska Gehöft, in welchem vergangene Zeiten und Traditionen vor Augen der Besucher aufleben.
Charakteristisch für die Region ist Bebauung mit Fachwerkhäusern in schwarz-weißem Karomuster. In diesem Stil ist auch das Gebäude des Hauptstandortes vom Museum errichtet, das in einer der zwei Marktplätze von Złotów verbindenden Straßen steht. In beiden Filialen kann man nicht nur Tradition von Krajnaer kennenlernen, darunter vor allem himmelblaue krajnische Stickerei, sondern auch an Workshops und Museumslektionen teilnehmen. Dank ihnen hat jeder die Chance, eigenhändig unikale Gegenstände zu schaffen, die auf kreative Weise das typische Muster regionaler Stickarbeit angleichen.


Mit dem Kajak auf dem Fluss
Nördliche Ränder von Großpolen sind dicht mit Flüssen und zahlreichen Seen durchzogen, die oft zwischen steile Hügel eingedrückt sind. Außer herrlicher Landschaft macht das großartige Bedingungen für Kajakfahren aus.
Für eine Familienfahrt mit Kindern oder für weniger erfahrene Kajakfahrer werden Rurzyca, Gwda, Piława oder die letzte Teilstrecke von Dobrzyca besser sein. Seichte Gewässer von Rurzyca und ihre faule Strömung bilden einen perfekten Vorschlag sogar für diejenige, die Abenteuer mit Kajakfahren erst anfangen. Besonders, dass die etwa Dutzend Kilometer lange Teilstrecke in nur wenigen Stunden zurückgelegt werden kann. Ähnlich geht es auf der Dobrzyca. Den unteren Flusslauf überwindet sogar Neuling problemlos.
Für eine längere Floßfahrt in einigen Tagen wird eine perfekte Wahl Gwda sein, deren Kajakroute ganze 145 km zählt. Unterwegs kann man Wasserkraftwerke, Ruinen der Befestigungen aus dem II Weltkrieg sehen, aber auch einen Biber oder Kranich entdecken. Gwda ist ausgezeichnet bewirtschaftet, also es wird keine Probleme geben, einen Zeltplatz oder Übernachtungsstelle zu finden.

Auf den Spuren von Sacrum
Inmitten von grünen Hügeln, in Górka Klasztorna bei Łobżenica ragt die Basilika der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Maria. Den Sagen nach ist das älteste Marienheiligtum in Polen. Seine Popularität unter den Pilgern wird bereits seit dem Jahre 1079 datiert, als Muttergottes sich hier einem Hirten offenbarte. Heute ist das ein ausgebautes Sakral- und Wallfahrtskomplex, aber auch ein interessanter Ort, wo sich üppige Barockkunst und -architektur mit Volksfrömmigkeit vermischt.

Wyrzysk Kreisbahn
Von Białośliwie kann man in der Sommersaison in eine unglaubliche Reise im Retro-Stil mit der Schmalspurbahn losfahren. Die Strecke ist kurz, aber führt durch Wald und am Rande des Waldbachs. Dazu kann man ohne Eile den alten Lokomotivschuppen besichtigen. Wyrzyska Kreisbahn ist auch wegen der Spurweite von Gleisen außergewöhnlich – sie beträgt nur knapp 600 mm. Die Bahn verfügt über eine Dampflokomotive und Verbrennungslokomotive, die den Fahrten ein einzigartiges Klima verschaffen.

Piła
Die größte Stadt im Norden Großpolens liegt mitten in dichten Wäldern an den malerischen Windungen der Küddow (Gwda), einem rechten Nebenfluss der Netze (Noteć). Früher lebten die Bewohner unter anderem von der Holzverarbeitung aus den umliegenden Wäldern – woraus sich sehr wahrscheinlich auch der polnische Name Piła (deutsch: „Säge“) ableitet!
Obwohl die Stadt auf eine lange Geschichte zurückblickt, haben die Kriegszerstörungen nur wenige historische Baudenkmäler hinterlassen. Dennoch gibt es für neugierige Entdecker einiges zu sehen: Allen voran das historische Geburtshaus von Stanisław Staszic, das heute ein Museum beherbergt, welches diesem herausragenden Gelehrten der Aufklärung gewidmet ist. Wer tiefer in die regionale Geschichte eintauchen möchte, ist im Bezirksmuseum (Muzeum Okręgowe) genau richtig. In der Antoniuskirche erwartet Sie zudem eine echte Besonderheit: Über dem Hauptaltar schwebt ein beeindruckendes, 7,5 Meter hohes Holzkruzifix – eines der größten in ganz Europa!
Militärfans sollten sich einen Besuch im Militärmuseum von Piła (Pilskie Muzeum Wojskowe) nicht entgehen lassen. Es beherbergt eine der spannendsten und umfangreichsten Militärsammlungen Großpolens. Untergebracht in den Hangars eines ehemaligen Militärflugplatzes, zeigt das Museum jede Menge schweres Gerät: von Panzern und Schützenpanzern über Kampfflugzeuge bis hin zu Kommandowagen und Aufklärungsfahrzeugen. Ein besonderes Highlight sind seltene Schulungsfahrzeuge, auf denen einst Soldaten ausgebildet wurden.


Osiek an der Noteć
Der Besuch im Muzeum Kultury Ludowej/Volkskultur-Museum in Osiek an der Noteć ist wie eine Zeitreise, die knapp zwei Jahrhunderte in Vergangenheit bringt. Hier kann man sehen, wie Menschen im Norden Großpolens lebten, wo sich verschiedene Einflüsse, Traditionen und Kulturen mischten. Im Freilichtmuseum wurden viele Gebäuden, Wirtschaftsbauten und kleinerer Bauten gesammelt, die für ländliche Landschaft der Region typisch sind. Es gibt unter ihnen Hauser, Wirtschaftsgebäuden, Scheunen, Sägewerk, Windmühlen, und sogar die ganze Schmiede. Die Inneren der Gebäuden sind nicht leer, sie wurden in durch Bewohner alltäglich gebrauchte Werkzeuge ausgestattet.

Chodzież
Dies ist eine der am schönsten gelegenen Städte in ganz Großpolen: Eingebettet in einen von Hügeln umgebenen Talkessel und direkt an drei Seen gelegen, wird diese Region nicht ohne Grund als „Chodzier Schweiz“ (Szwajcaria Chodzieska) bezeichnet. Wenn Sie Lust auf Aktivurlaub haben, sind Sie hier genau richtig! Die Gewässer bieten fantastische Bedingungen zum Segeln, Kanufahren, Wasserskifahren und für den Motorbootsport. In der Sommersaison lädt das Ausflugsschiff Chodzieżanka zu entspannten Rundfahrten auf dem Stadtsee (Jezioro Miejskie) ein. Direkt am See erhebt sich der Berg Talerz, an dessen Hang sich sogar eine Skipiste mit Lift befindet. Im Frühling und Sommer lockt die Gegend zudem mit vielfältigen Kulturveranstaltungen.
Auch auf zwei Rädern lassen sich die umliegenden Hügel wunderbar erkunden. Ein absolutes Highlight für Radbegeisterte ist der Hügel Gontyniec. Von Chodzież aus führen zwei Wanderwege – der rote und der gelbe – direkt auf den Gipfel. Wer möchte, kann versuchen, den Aufstieg mit dem Fahrrad zu meistern – was allerdings eine echte Herausforderung ist! Für erfahrene Mountainbiker gibt es an den Hängen des Gontyniec zudem ein spannendes Netz aus Singletracks.
Die Geschichte von Chodzież ist eng mit zwei traditionellen Handwerken verbunden: der Tuchmacherei und der Porzellanherstellung. Im 18. Jahrhundert siedelten sich hier Tuchmacher an. Ein charmantes Überbleibsel ihrer dichten handwerklichen Bebauung sind die sogenannten Tuchmacherhäuser in den Straßen Kościuszki und Wojska Polskiego. Im 19. Jahrhundert wurde Chodzież dann weit über die Region hinaus für sein Porzellan bekannt, das schnell zum Aushängeschild und Symbol der Stadt wurde. Noch heute findet man in vielen polnischen Haushalten die charakteristischen Schätze aus Chodzież – reich verzierte Porzellanservices und Geschirr. Auf die Spuren dieser Keramikgeschichte kann man sich in der Stadtbibliothek begeben, wo über 200 historische Exponate aus Fayence, Halbporzellan und Porzellan ausgestellt sind.


Czarnków
Das Herz der Stadt ist der Marktplatz mit seinen modernen Springbrunnen, die nach Einbruch der Dunkelheit in buntem Licht erstrahlen. Ein Abstecher lohnt sich zur spätgotischen Maria-Magdalena-Kirche. Neben dem traditionell gebrauten Bier ist die Stadt vor allem für den mittelalterlichen Chronisten Janko von Czarnków bekannt, dessen Denkmal den Marktplatz ziert. Die charakteristischsten Ecken von Czarnków – darunter die Pfarrkirche, die Brauerei und der Wasserturm – sind auf einem wunderschönen Wandgemälde an der Fassade eines Erstabschnitts am Jan-Karski-Platz verewigt.
Gelegen an der Netze (Noteć), direkt auf der Route der Großen Schleife von Großpolen (Wielka Pętla Wielkopolski), setzt Czarnków voll auf Wassertourismus. Ein absolutes Highlight ist die moderne Marina, die bestens auf die Bedürfnisse von Boots- und Kanufahrern vorbereitet ist.
Gleich vor den Toren der Stadt, eingebettet in die malerische Hügellandschaft der sogenannten „Czarnkower Schweiz“, liegt Schloss Goraj. Es wurde einst als Jagdschloss für die Familie von Hochberg erbaut – dieselbe Adelsfamilie, die auch über Schloss Fürstenstein (Książ) und das Palais Pless (Pszczyna) herrschte. Heute beherbergt das Schloss eine Forstschule, doch der umliegende Park und die bezaubernde Gegend stehen Besuchern für Erkundungstouren offen!

