Wolsztyn (dt. Wollstein) gehört zu den schönsten und meistbesuchten Städten in Großpolen. Das größte Highlight ist hier das historische Dampflokomotivdepot, das seit 1907 ununterbrochen im Einsatz ist und dampfbetriebene Züge bedient. Rauchwolken aus dem Schornstein, das Pfeifen des Dampfes, der Geruch von Schmierfett… Und wenn Sie genug von dieser dampfenden Atmosphäre haben, laden zwei idyllische Seen sowie die gemütlichen Cafés am Marktplatz zum Entspannen ein.


Lokschuppen Wolsztyn (Parowozownia Wolsztyn)
Unser Rundgang in Wolsztyn beginnt dort, wo auch die meisten Besucher ihren Aufenthalt starten. Der Lokschuppen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts als wichtiger Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnlinien. Seitdem ist er ununterbrochen in Betrieb. Bis heute sind hier Dampflokomotiven im Einsatz – ein weltweit einmaliges Phänomen. Aber das ist nicht alles: diese historischen Fahrzeuge bedienen nicht nur die Touristenstrecken. Ganz im Gegenteil: Tag für Tag verlassen „Dampfrösser“ den Bahnhof in Wolsztyn im regulären Fahrbetrieb.
Das Lokomotivdepot Wolsztyn ist weit mehr als eine Ausstellung historischer Lokomotiven. In den Werkstätten arbeiten erfahrene „Meister“ daran, die Dampfmaschinen tagtäglich einsatzbereit zu halten. Besucher können hautnah miterleben, wie Kohle verladen und Wassertanks gefüllt werden. Das ist eine schwere, schmutzige Arbeit, aber sie vermittelt einen Eindruck davon, wie Reisen vor hundert Jahren aussahen.
Sie können diese wunderschöne Dampflokwelt individuell mit einem Audioguide oder im Rahmen einer Führung besichtigen. Viele der Reiseleiter sind ehemalige Eisenbahner und teilen ihr Fachwissen sowie persönliche Geschichten, die man in keinem Reiseführer findet.
Auf in die Stadt!
Vom Lokschuppen bis ins Zentrum von Wolsztyn sind es etwa 20 Minuten zu Fuß. Das ist gar nicht so weit. Der Weg führt am Bahnhof vorbei, wo sich die Touristeninformation befindet. Schon bald fällt eine kleine Figur auf dem Kreisverkehr ins Auge – hier biegen Sie rechts ab – dort befindet sich das eigentliche Zentrum der Stadt. Entlang der linken Straßenseite reihen sich repräsentative Gebäude, wie das das Postamt, der Sitz des Landratsamtes sowie die ehemalige evangelische Kirche.
Von hier aus sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Marktplatz – unterwegs sollten Sie sich die Pfarrkirche nicht entgehen lassen. Ihr hoher, weißer Turm ist eines der markanten Wahrzeichen der Stadt. Der Marktplatz ist ein idealer Ort, um in einem der zahlreichen Cafés einen genussvollen Kaffee zu trinken. Weitere Restaurants und Cafés finden Sie in der Robert-Koch-Straße. In einem der ältesten Häuser dieser Straße befindet sich das Robert-Koch-Museum (Muzeum Roberta Kocha). Nur wenige wissen, dass dieser berühmte Biologe und Nobelpreisträger hiert viele Jahre als Kreisarzt tätig war und in Wolsztyn seine ersten wissenschaftlichen Forschungen betrieb.

Auf zum See!
Vom Marktplatz aus führt in entgegengesetzter Richtung ein Weg zu einer Seepromenade. Sie ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. An einer Stelle geht die Promenade in einen Park über, in dem ein Teil der Wege als idyllische Stege mitten durch das Schilf angelegt ist. Im Herzen des Parks steht ein imposanter Baum mit geheimnisvollen, in dem Stamm geschnitzten Gesichtern. Es ist ein Werk des bekannten Bildhauers Marcin Rożek, der in Wolsztyn lebte. Sein ehemaliges Haus beherbergt heute ein Museum.
Wie lebten unsere Ururgroßeltern?
Wenn Sie in die entgegengesetzte Richtung als der Weg zum Park spazieren gehen, erreichen Sie nach etwa 30 Minuten das Freilichtmuseum für ländliche Architektur Westgroßpolens (Skansen Budownictwa Ludowego Zachodniej Wielkopolski). Hinter dem langen und komplizierten Namen verbirgt sich ein faszinierendes Areal, das das ländliche Leben eines großpolnischen Dorfes vergangener Jahrhunderte authentisch und malerisch nachzeichnet.
Zu sehen sind die Höfe wohlhabender Hauländer (Hauländer sind Ansiedler aus Holland, die im 17. und 18. Jahrhundert nach Polen kamen), die armseligen Hütten der ärmeren Bauern, ein Wirtshaus, eine Schmiede und eine der ältesten erhaltenen Windmühlen Polens aus dem Jahr 1603. Schade nur, dass das Wirtshaus nicht sprechen kann – es hätte sicher viele Geschichten und Anekdoten zu erzählen.

