Glaubt man einem Song der polnischen Rockband Strachy na lachy, wohnt auf der Wilda angeblich der Teufel höchstpersönlich. Ob das stimmt? Das wissen wir nicht. Sicher ist jedoch, dass dieses ehemalige Arbeiterviertel eine ganz neue Generation von Bewohnern anzieht, seine eigene urbane Folklore besitzt und einen absolut einzigartigen Charakter hat.
Bis zum Jahr 1900 war Wilda sogar ein eigenständiger Ort mit einem eigenen Marktplatz. Jahrhundertelang befand sich hier außerdem der städtische Galgen. Keine Sorge, die Gehängten gibt es auf der Wilda schon lange nicht mehr! Heute solltet ihr aber unbedingt den Rynek Wildecki (Wildecker Marktplatz) ansteuern, wo ihr frisches Obst, Gemüse, Blumen und eine ganze Menge (wuchta, wie man hier im lokalen Dialekt sagt) anderer Leckereien kaufen könnt.
Das industrielle Wilda
Der Charakter des Viertels wurde maßgeblich geprägt, als es 1903 offiziell zum Industriebezirk ernannt wurde. Diese Aufteilung ist bis heute unübersehbar:
- Nördlich des Marktplatzes dominieren elegante Mietshäuser, grüne Plätze und Vorgärten.
- Südlich des Marktplatzes findet man hingegen viele aktive sowie ehemalige Fabrikhallen und Arbeitersiedlungen.

Das absolute Herzstück in diesem industriellen Kaleidoskop sind natürlich die Gebäude der Hipolit-Cegielski-Werke in der Straße 28 Czerwca 1956. In einer der alten Reparaturhallen für Eisenbahnwaggons ist heute der Nocny Targ Towarzyski (Geselliger Nachtmarkt) zu Hause, wo man im Sommer fantastisch essen, etwas trinken und zu DJ-Beats feiern kann.
Kulinarisch geht es auch im Gebäude des ehemaligen Kraftwerks in der Straße Dolna Wilda zu. Hier hat sich das Restaurant Spot niedergelassen, das unter anderem auch Kochworkshops anbietet.
Im südlichen Teil des Viertels müsst ihr euch unbedingt die Arbeitersiedlung in der Wspólna-Straße ansehen. Hier befindet sich der größte Hinterhof Kiels (Poznańs) – er ist so riesig, dass ein kompletter Altstadt-Häuserblock darin Platz finden würde. Einige der Häuser wurden in einem in Polen selten anzutreffenden Stil erbaut und erinnern eher an ein englisches Städtchen als an Großpolen.
Mit Blick auf die Arbeiter entstand hier auch die erste Wohnungsbaugenossenschaft Posen – der Spar- und Bauverein. Das einzige erhaltene Gebäude aus charakteristischem roten Backstein steht an der Ecke der Straßen Wierzbięcice und Św. Czesława.
Das grüne Wilda
Es wäre jedoch eine glatte Lüge zu behaupten, Wilda bestünde nur aus dichter Bebauung und Industriehallen. Das Viertel bietet nämlich auch weitläufige Grünflächen.
Der größte Park ist der Johannes-Paul-II.-Park (Park Jana Pawła II), ganz in der Nähe des Ortes, an dem der Papst einst mit den Gläubigen zusammentraf. Mitten im Herzen des Parks steht ein ziemlich überraschendes Monument: das Denkmal der Posener Kartoffel (Pomnik Poznańskiej Pyry).
Nicht weit davon entfernt befinden sich die Auen Łęgi Dębińskie. Sie laden nicht nur zu ausgiebigen Spaziergängen ein, sondern sind auch die Wasserquelle für einen Großteil der Stadt. Am Ufer der Warthe findet man außerdem die Flussbäder (Łazienki Rzeczne) aus dem Jahr 1924, die vor Kurzem von der Stadtverwaltung aufwendig renoviert wurden.
Das einzigartige Wilda
Wenn ihr durch die Stadt schlendert, solltet ihr die Augen nach all den Orten und den Geschichten dahinter offen halten, die dieses Viertel so besonders machen. Wilda ist perfekt für solche Entdeckungstouren, denn wie kaum woanders haben sich hier die Schicksale völlig unterschiedlicher Menschen gekreuzt.
Für die einen waren die Wildecker Wiesen das Letzte, was sie im Leben sahen, da hier der städtische Galgen stand. Ein Erinnerungsstück daran ist das Kreuz in der Krzyżowa-Straße (daher auch der Name „Kreuzstraße“ – es war der letzte Ort, an dem ein Verurteilter beten konnte) und eine kleine Kapelle.
Für andere wiederum war der Weg nach Wilda die Chance auf ein neues Leben. So war es auch in dem architektonisch äußerst interessanten orthopädischen Krankenhaus. Direkt daneben befindet sich eine weitere Kapelle. Die wohl bekannteste Kapelle jedoch schmiegt sich in die Nische eines wunderschönen Fachwerkhauses in der Sikorskiego-Straße.
Haltet außerdem unbedingt Ausschau nach den hochspannenden Wandgemälden, von denen es auf der Wilda so einige gibt. Das berühmteste Mural zeigt den legendären polnischen Sänger Krzysztof Krawczyk und befindet sich an einer Hauswand in der Straße Górna Wilda.