Wielkopolska (Grosspolen) war über Jahrhunderte hinweg ein industrielles Mühlengebiet. Von den rund 20.000 Windmühlen, die einst in der ehemaligen Rzeczypospolita betrieben wurden, befanden sich etwa 12.000 in Großpolen. Bis heute sind etwa hundert erhalten geblieben – etwa 50 davon können entlang der Windmühlenroute Großpolens (Wielkopolski Szlak Wiatraczny) besichtigt werden.
Charakteristisch für diese Windmühlengegend sind vor allem Bockwindmühlen. Diese fast vollständig aus Holz gefertigte Bauwerke unterscheiden sich deutlich von den beispielsweise aus der Malerei bekannten gemauerten holländischen Windmühlen. Der Name rührt von einem Untergestell, dem sogenannten „Bock“ her, der das gesamte Mühlenhaus trägt. Dank dieser Konstruktion ist der komplette Mühlenkörper beweglich und lässt sich je nach Windrichtung drehen – eine technische Lösung, die einst die Arbeitsleistung erheblich steigerte.


Die meisten Windmühlen Großpolens befinden sich im südwestlichen Teil der Region, insbesondere in der Umgebung von Lissa (Leszno), Kosten (Kościan) und Priment (Przemęt). Die Route beginnt in Reisen (Rydzyna), einer Stadt, die vor allem für ihr prächtiges barockes Schloss der Magnatenfamilie Leszczyński bekannt ist. Ganz in der Nähe liegt Storchnest (Osieczna) mit einem einzigartigen Museum für Mühlenwesen und Landwirtschaft (Muzeum Młynarstwa i Rolnictwa). Dort erwarten Sie unter anderem drei historische Windmühlen und eine vollständig funktionsfähige zeitgenössischen Windmühlenrekonstruktion. Im Museum können Besucher an Brotbackkursen teilnehmen und leckere Spezialitäten in einem gemütlichen Café genießen.
Mehrere historische Windmühlen entdecken Sie auch in der Umgebung von Kościan und Kriewen (Krzywiń). Besonders erwähnenswert ist jedoch das Städtchen Schmiegel (Śmigiel). Einer lokalen Legende zufolge versuchten die Einwohner einst, hundert Windmühlen zu errichten, doch immer wenn die hundertste fast vollendet war, wurde eine der bereits bestehenden Windmühlen durch Feuer oder ein Unglück zerstört. Die westlichste Abzweigung der Windmühlenroute Großpolens führt in den Landschaftsschutzpark Priment (Przemęcki Park Krajobrazowy). Der Park ist bekannt vor allem für seine sauberen Seen und hervorragenden Wasserwege, ideal für Paddeltouren. Unbedingt sehenswert ist hier auch die Windmühle in Brenno. Sie ist einzigartig, da sie zu einer außergewöhnlichen Urlaubsunterkunft umgebaut wurde, wo Sie in einzigartiger Atmosphäre übernachten können..

Ein stimmungsvoller Abschluss der Windmühlentour kann ein Besuch in Wollstein (Wolsztyn) sein. Zwar steht hier nur eine einzige Bockwindmühle, sie befindet sich jedoch im Zentrum des Freilichtmuseums für ländliche Architektur Westgroßpolens (Skansen Budownictwa Ludowego Zachodniej Wielkopolski), wo auch ein komplett und liebevoll rekonstruiertes Dorf aus vergangenen Zeiten zum Entdecken einlädt. Neben der Windmühle können Besucher auch einen Blick in die Innenräume nachgebauter Bauernhäuser werfen: Sowohl in das eines reichen Hauländers als auch in das eines armen Knechts – oder in das Dorfwirtshaus, das sicher viele Geschichten zu erzählen hätte.