Wochenende im Land der 100 Seen

Wusstest du, dass es in Wielkopolska über 800 Seen gibt? Kleine und große, perfekt zum Segeln, für Kajaktouren oder einfach zum entspannten Faulenzen am Strand. Und was es hier meist nicht gibt, das sind Touristenmassen. Manche behaupten sogar, dass es weniger Mücken gibt. Der beste Ort für eine echte Auszeit ist das Land der 100 Seen im Westen von Wielkopolska. Hier kann man problemlos ein Wochenende verbringen – oder gleich eine ganze Woche bleiben, ohne sich auch nur einen Moment zu langweilen.

Schau dich um

Das Land der 100 Seen ist besonders am frühen Morgen und zum Sonnenuntergang atemberaubend schön. Wenn ihr früh aufbrecht, erlebt ihr die Landschaft, während die Sonne noch tief steht und Nebelschwaden über die Täler und Senken der Seen ziehen. Ein perfekter Aussichtspunkt dafür ist die Góra Głazów, direkt an der Straße zwischen Kwilcz und Sieraków.

Ein weiterer wunderschöner Aussichtspunkt befindet sich im Dorf Łężeczki, oberhalb des Chrzypskie-Sees. Ein Radweg führt dorthin und direkt an der Straße gibt es einen bequemen Parkplatz. Und hier wurde – angeblich – eine Minute nach Mitternacht am 1. Januar 2001 das erste Denkmal des neuen Jahrtausends enthüllt.

Kościół bernardynów w Sierakowie
Kościół bernardynów w Sierakowie (fot. Jacek Cieślewicz)

Am See

Bei so vielen Seen stellt sich die Frage: Welche sind die schönsten? Das hängt davon ab, was ihr sucht.

Für Strand, Baden und Wassersport ist die Nummer eins ganz klar der Jaroszewskie-See in Sieraków. Am Ufer findet ihr Restaurants und Bars, einen großen Parkplatz, einen Wasserskilift, Stege und ein bewachtes Badegebiet.
Ähnliches erwartet euch am Miejskie-See in Międzychód, der direkt im Stadtzentrum liegt.
Sehr beliebt ist auch der große Chrzypskie-See, besonders bei Windsurfern, aber auch mit schönen Stränden.

Für mehr Ruhe empfehlen sich die beiden Seen im Dorf Prusim: Kuchenne und Młyńskie. Am Kuchenne-See liegt der private Strand des Resorts Olandia – inklusive Camping, regionaler Küche und Bootsverleih.

Für Natur- und Ruhesuchende Perfekt ist der Lutomskie-See in Sieraków, ein geschütztes Gebiet mit spannenden Wanderwegen – ideal zur Vogelbeobachtung. Ein echtes Naturrefugium sind auch die vier Seen rund um Chalin. Am Naturbildungszentrum gibt es einen großen, kostenlosen Parkplatz. Von hier aus könnt ihr wandern oder Rad fahren – besonders schön ist der gelbe Weg durch tiefe Schluchten. Wenn ihr wirklich Orte ohne Menschenmassen sucht, dann fahrt an das nördliche Warta-Ufer, in die Notec-Wälder und die Seen Kłosowskie, Barlin und Chojno.

żaglówki na jeziorze
Jezioro Chrzypsko Fot Marek Grum)
Kraina 100 Jezior - Jezioro Jaroszewskie
Kraina 100 Jezior – Jezioro Jaroszewskie (fot. Jacek Cieślewicz)
Wake park na Jeziorze Jaroszewskim
Wake park na Jeziorze Jaroszewskim

Besuch im Schloss

Im Herzen des Gebiets liegt Sieraków – ideal für ein Wochenende. Es gibt Ferienhäuser, gemütliche Pensionen und kleine Hotels. Ein Spaziergang über den Marktplatz lohnt sich – ein typisch großpolnischer Platz mit kleinen Häusern und lebhaften Läden. Über dem Ort ragen die Türme der barocken Kirche der Unbefleckten Empfängnis. Nicht weit entfernt steht das frisch restaurierte ehemalige evangelische Gotteshaus im schwarz‑weißen Fachwerkstil.

Im Norden der Stadt steht das Schloss der Familie Opaliński. Erhalten blieb ein Gebäudeflügel, in dem heute ein Museum eingerichtet ist. Besonders sehenswert sind die zufällig entdeckten Sarkophage der Familie Opaliński – ein außergewöhnliches Beispiel barocker Begräbniskunst in Polen.

Im Sommer finden hier regelmäßig Veranstaltungen und historische Reenactments statt – von mittelalterlichen Rittern bis zu Napoleons Soldaten.

Zamek w Sierakowie
Zamek w Sierakowie
Sieraków - rekonstruktorzy historyczni obok zamku
Sieraków – rekonstruktorzy historyczni obok zamku

Trink aus der Laufpompa

Nächster Halt: Międzychód. Unterwegs könnt ihr an der alten Seilfähre in Zatom Nowy anhalten – und wenn ihr mutig seid, sogar übersetzen. Międzychód ist eine etwas größere, aber weiterhin sehr ruhige Kleinstadt. Schlendert durch die engen Gassen, die gaski, von denen viele vom Markt hinunter zum Miejskie-See führen. Ein kleiner Strand und ein Park laden zum Ausruhen ein.

Unbedingt ansehen:

  • die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers (1591),
  • den Birnenbrunnen – das Stadtsymbol,
  • und vor allem die berühmte Laufpompa aus dem Jahr 1912, eine historische gusseiserne artesische Pumpe. Das Wasser enthält Schwefelwasserstoff – daher der besondere Geruch. Międzychód plant sogar die Einrichtung eines Kurorts.
Jezioro Miejskie w Międzychodzie
Jezioro Miejskie w Międzychodzie
Międzychód - rynek i centrum miasta
Międzychód – rynek i centrum miasta (fot. J. Rybicki)

Geh paddeln

Im Land der 100 Seen gehört Kajakfahren einfach dazu. Am beliebtesten ist die Warta, besonders der Abschnitt zwischen Wronki und Sieraków oder weiter bis Międzychód. Kürzer ist die Strecke von Sieraków nach Chorzępowo. Ausrüstung müsst ihr nicht mitbringen – es gibt viele lokale Anbieter.

Auch auf den Seen lässt es sich wunderbar paddeln, besonders am Chrzypskie‑See und Jaroszewskie‑See, beide mit großen Sportzentren. Wer es ruhiger mag, besucht das Mana Lake Resort bei Ławica – ein Waldresort mit Luxus-Häusern und Kajakverleih.

Reise in die Vergangenheit

Im nahezu weltabgelegenen Dorf Mniszki befindet sich das Zentrum für Natur- und Regionalbildung. Ein komplett restaurierter Gutshof aus rotem Backstein zeigt Ausstellungen über verschwindende Berufe – vom Küfer und Schmied bis zum analogen Fotografen oder TV‑Reparateur. Man kann hier auch selbst aktiv werden: eine Bienenwachskerze ziehen, ein Weidenkörbchen flechten oder einen kleinen Holzschemel bauen – in Wielkopolska „ryczka“ genannt.

Jeden Herbst findet hier das Große Powidła‑Kochen, das wichtigste Saisonfinale, statt – mit einem riesigen Kessel voll Pflaumenmus, Konzerten und regionalen Produkten.

Von Mniszki starten Wanderwege in den Landschaftspark Kamionka‑Tal, darunter ein langer Weg nach Kamionna mit einer fantastischen Aussicht vom Hügel neben der gotischen Kirche.

stare jabłonie w pełni sezonu
Aleja jabłoniowa w Chalinie (fot. Jacek Cieślewicz)

Blick in die Sterne

Wenn der Tag sich neigt, ist das Abenteuer noch nicht vorbei. Fahrt erneut nach Chalin, wo eine zertifizierte Dark‑Sky‑Area eingerichtet wurde. Es gibt sogar ein gutes Teleskop (vorher reservieren), doch oft reicht es, auf einer Bank oder auf einer Decke zu liegen und den unglaublichen Sternenhimmel zu genießen. Perfekt – und ein wenig romantisch.

Besuch im Weinberg

Im Land der 100 Seen liegen einige der schönsten Weingüter Wielkopolskas. Über dem Jaroszewskie‑See findet ihr die Weinkellerei Zielona, eingebettet in grüne Hügel.
Weiter südlich liegt die Weinkellerei Enosfera, die Übernachtungen auf dem Weingut und hervorragendes Essen anbietet. Nahe Chrzypsko erwartet euch die Weinkellerei Orle – dank eines eigenen Sees auch ein Paradies für Angler. Bei Wronki, am Rand der Noteć‑Wälder, steht die Weinkellerei Bierz Zdrowo. Und in Olandia wachsen bereits junge Reben – auf den ersten Wein muss man jedoch noch etwas warten.

Wielkopolski Szlak Winnic
Wielkopolski Szlak Winnic
Olandia - relaks w gorącej balii z widokiem na jezioro
Olandia – relaks w gorącej balii z widokiem na jezioro

Wochenende auf dem Sattel

Das Großpolnische Land der 100 Seen gehört zu den absolut besten Regionen für Radtouren – egal ob für einen Tagesausflug oder eine mehrtägige Tour. Zwei Fernradwege führen durch die Gegend: die Route der 100 Seen (Szlak Stu Jezior) sowie der Warta-Radweg (Nadwarciański Szlak Rowerowy). Beide starten in Posen (Poznań) und enden in der Nähe von Międzychód, verlaufen aber ganz unterschiedlich. Wie der Name schon verrät, bleibt der Warta-Radweg immer im Warta-Tal und verläuft am Rande der Netzeheide (Puszcza Notecka). Die Route der 100 Seen dagegen schlängelt sich durch Hügel und Täler von einem See zum nächsten.

Auch an lokalen Radwegen mangelt es nicht. Zu den spannendsten gehören der Weg der Nationalaufstände (Szlak Powstań Narodowych, mit mehreren Schleifen – ideal für Tagestouren) sowie die Kwilcz-Schleife (Pętla Kwilecka). Am besten sucht man sich hier ein gemütliches Quartier und steuert jeden Tag eine neue Route an.

Und dann gibt es noch eine dritte Option: Ab auf die Waldwege der Netzeheide! Ausgeschilderte Radwege sind hier eher Mangelware, daher lohnt sich eine gute Karte oder eine zuverlässige Navi-App. Die Netzeheide zählt zu den größten Waldgebieten Polens – Siedlungen und Teerstraßen sind selten. Das Geniale daran: Man kann stundenlang geradeaus radeln, ohne vielen Menschen zu begegnen – höchstens ein paar Pilzsammlern oder anderen Radfahrern.

Rowerowy Szlak Stu Jezior - rowerzystka na szosie
Szlak Stu Jezior (fot. J. Rybicki)