An der Strecke zwischen Posen (Poznań) und Kattowitz (Katowice) gelegen und zugleich durch die Schrodaer Sümpfe (Bagna Średzkie) von der vielbefahrenen Straße abgeschirmt, empfängt Środa Wielkopolska (dt. Schroda) seine Besucher schon aus der Ferne mit einem reizvollen Panorama – geprägt vom markanten Turm der gotischen Kirche und dem historischen Wasserturm.
Obwohl sie auf den ersten Blick vielen anderen Städten ähnelt, hat sie eine außergewöhnliche Geschichte und einen interessanten Marktplatz. Dort ziehen drei kleine, nebeneinander stehende Häuser die Aufmerksamkeit auf sich, die im Schatten der mächtigen Stiftskirche fast verschwinden. Sie sind stille Zeugen der bedeutenden Vergangenheit der Stadt, in der über mehrere Jahrhunderte hinweg die Schrodaer Landtage (Sejmiki Średzkie) stattfanden – die Versammlungen des großpolnischen Adels. Der Tagungsort war das größte Gebäude der Stadt – die Stiftskirche. Der Legende nach ließ König Władysław Jagiełło sie als Dankesgabe errichten, nachdem er einen Blitzschlag überlebt hatte.
Die Schrodaer Kreisbahn
Doch es ist nicht allein die wertvolle Stiftsbasilika Mariä Himmelfahrt, die Besucher nach Środa Wielkopolska zieht. Ein besonderer Anziehungspunkt für Liebhaber von Schienenfahrzeugen ist die Schrodaer Kreisbahn. Sie wurde 1898 gebaut, um den Transport von Zuckerrüben von den umliegenden Feldern zur Zuckerfabrik zu ermöglichen. In der Sommersaison fährt die Bahn am Wochenende auf einer malerischen, landschaftlich reizvollen Strecke nach Santomischel (Zaniemyśl), wo Erholung am See wartet. Die charmanten Miniaturwaggons, gezogen von einer Diesel- oder Dampflokomotive, halten unterwegs an mehreren kleinen Bahnhöfen. Die gesamte Strecke ist zwar nur 14 Kilometer lang, doch das gemächliche Tempo garantiert eine volle Stunde entspannten Vergnügens. Auf halber Strecke bietet sich zudem ein Blick in die örtliche Brauerei Gzub werfen.
Hof in Koschuty
Auf der Fahrt von Posen nach Środa Wielkopolska fallen am Straßenrand unweigerlich zwei Windmühlen ins Auge. Sie laden dazu ein, kurz von der Route abzuweichen und im Dorf Koszuty Halt zu machen. Im Ortszentrum befindet sich ein Herrenhaus mit Alkoven, in dem das Museum der Region Środa Wielkopolska (Muzeum Ziemi Średzkiej) untergebracht ist. Es unterscheidet sich jedoch deutlich von traditionellen Museen dieser Art. Die Ausstellung ist so gestaltet, als hätten die Bewohner das Haus nur für einen Moment verlassen und würden gleich zurückkehren, um sich mit der Familie an den Tisch zu setzen. So entdeckt man ein Esszimmer, eine Küche, ein Wohnzimmer, Schlafzimmer sowie ein charmantes Kinderzimmer mit historischem Spielzeug.