Hoch in den Himmel ragende Türmchen, ein Arkadenhof und üppig ausgeschmückte Räume. Ist das ein Schloss der Loire? Aber nein, es ist unser großpolnisches Schloss Gołuchów. Diese Assoziation ist jedoch überhaupt kein Zufall, denn es wurde als eine romantische Residenz genau nach dem Vorbild französischer Renaissancebauten errichtet. Heute funktioniert in dem Schloss eine Außenstelle des Nationalmuseums in Poznań. Sie können hier nicht nur die Schlosshöfe und prachtvoll eingerichtete Gemächer besichtigen oder die Kunstsammlungen bewundern. Denn das Schloss ist dazu noch von einem großen Park umgeben, mit vielen reizvollen Ecken und einem Wisentgehege.
Französischer Schick in Großpolen
Die ersten Besitzer von Gołuchów waren die Mitglieder der Familie Leszczyński, damals einer der mächtigsten Familien in Großpolen. Ursprünglich befand sich hier ein Wehrturm, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Magnatenresidenz umgestaltet wurde. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Schlosses war das Jahr 1856, als Tytus Działyński das Anwesen als ein Hochzeitsgeschenk für seinen Sohn Jan Kanty und dessen Ehefrau Izabella geborene Czartoryska erwarb. Das Paar führte jedoch keine glückliche Ehe und lebte die ganze Zeit getrennt. So wurde Gołuchów zur Residenz von Izabella, welche die besten Architekten einlud und sie mit dem Umbau im Geiste der Romantik beauftragte. Interessanterweise leistete auch Eugène Viollet-le-Duc, der vor allem für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame de Paris und der Festungsstadt Cité de Carcassonne bekannt ist, seinen Beitrag zu diesen Umbaumaßnahmen.

Museum
Das Schlossinnere ist in erster Linie ein Museum. Die heutige Ausstellung ist eine Mischung aus den Sammlungen von Izabella Czartoryska, darunter der berühmtesten und Polens größten Sammlung altgriechischer Vasen, sowie aus anderen Sammlungen des Nationalmuseums in Poznań. Außerdem gibt es auch Gemälde, Mobiliar und verschiedene Einrichtungsgegenstände.
Sehr wertvoll ist ein in Brüssel gefertigter Wandteppich, der Szenen aus dem höfischen Leben zeigt. Zu den ältesten Sehenswürdigkeiten gehört dagegen ein italienisches Mosaik aus dem 4. Jahrhundert, das die Göttin Athene darstellt. Das Schloss Gołuchów hat aber noch sehr viel mehr zu bieten, und den Fans des polnischen Kinos wird mit Sicherheit auffallen, dass hier die Szenen für mehrere bekannte Filme gedreht wurden.

Parkanlage
Mit einer Fläche von über 160 Hektar ist der Park Gołuchów mit Abstand der größte Schlosspark in Großpolen. Dort wachsen rund 600 verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern. Außerdem gibt es auch Teiche, über den Fluss gespannte Holzbrücken und malerische Steingärten. Die Eigentümer des Schlosses haben an der Parkgestaltung aktiv mitgewirkt und importierten selbst die Setzlinge, darunter viele exotische Pflanzen.
Auf die Besucher wartet in dem Park auch ein Tiergehege. Die größte Attraktion sind ohne Zweifel die Wisente, die in Großpolen nur selten in freier Wildbahn leben. Der Eintritt in den Park ist frei.