Sie betreten das reich verzierte Tor: Vor Ihnen liegt ein repräsentativer Innenhof, an dessen Ende sich ein prachtvolles Schloss erhebt, das mit seinen beiden halbkreisförmigen Seitenflügeln die gesamte pittoreske Landschaft zu umfassen scheint. Hier können Sie sich fühlen wie die einstigen Gäste der Grafen Raczyński, der langjährigen Besitzer von Schloss Rogalin. Heute ist das Schloss eine Abteilung des Nationalmuseums (Muzeum Narodowe). Doch nicht nur die beeindruckende Architektur und die stilvollen Innenräume machen diesen Ort so besonders. Zum Schlossensemble gehören auch eine Gemäldegalerie, ein französischer Garten, ein englischer Landschaftspark mit bis zu 800 Jahre alten Eichen sowie eine historische Kutschenremise.
Bei den Grafen Raczyński
Der klassizistische Bau mit barocken Stilelementen wurde Ende des 18. Jahrhunderts im Auftrag von Kazimierz Raczyński, dem Generalstarosten von Großpolen, errichtet. Aus dieser Zeit sind der repräsentative Innenhof sowie der französische Garten hinter dem Schloss erhalten geblieben. Das Schlossensemble wurde später vom Grafen Edward Raczyński, dem Enkel von Kazimierz, erheblich erweitert. Damals entstanden der englische Landschaftspark sowie die St.-Marcellinus-Mausoleumskirche, die nach dem Vorbild eines römischen Tempels im französischen Nîmes errichtet wurde.
Die Innenräume des Schlosses wurden sorgfältig restauriert und sind heute für Besucher zugänglich. Der Rundgang führt durch die Schlafgemächer der Schlossbesitzer und ihrer Kinder, den ehemaligen Ballsaal, der zur Waffenkammer umgestaltet wurde, sowie durch die eindrucksvoll gestaltete Bibliothek. Möbel, Tapeten und weitere Ausstattungselemente wurden originalgetreu rekonstruiert, und die Wände sind mit zahlreichen Kunstwerken geschmückt. Besonders beeindruckend ist die Bibliothek, die ohne Weiteres als Kulisse für einen Fantasyfilm dienen könnte.
Zu besichtigen sind außerdem die Galerie mit Familienporträts sowie das aus London überführte Arbeitszimmer von Edward Bernard Raczyński, dem Exilpräsidenten der Republik Polen (während des kommunistischen Regimes in Polen).


Gemäldegalerie
Direkt neben dem Schloss befindet sich eine Gemäldegalerie, deren Gründung auf die Initiative von Edward Aleksander Raczyński, einem herausragenden Kunstkenner und Mäzen, zurückgeht. Die Galerie präsentiert etwa 300 Werke, darunter Gemälde von Künstlern wie Jacek Malczewski, Olga Boznańska, Aleksander Gierymski, Leon Wyczółkowski und Stanisław Wyspiański. Zur Sammlung der Galerie in Rogalin gehört auch das größte Gemälde von Jan Matejko – „Die Jungfrau von Orléans”.


Uralte Eichen
Der englische Landschaftspark, der zur Zeit des Grafen Edward Raczyński angelegt wurde, ist vor allem für seine uralten Eichen bekannt. Die ältesten Bäume sind etwa 500, manche sogar 800 Jahre alt! Besonders berühmt sind die Eichen mit den Namen Lech, Czech und Rus – benannt nach den drei slawischen Brüdern aus der bekannten Legende. Die vierte trägt den Namen Edward, selbstverständlich zu Ehren des Grafen. Doch damit beginnt erst die lokale Welt der Naturwunder: In Rogalin wachsen etwa 1.500 monumentale Eichen. Der Park geht nahtlos in die Uferlandschaft der Warthe über, die von einem beeindruckenden alten Baumbestand geprägt ist. Halten Sie Ausschau nach der Eiche namens Orzeł (Adler), deren Form an einen zum Flug ansetzenden Adler erinnert. Sie ist der unangefochtene Instagram-Star aus Rogalin.