Gostyń

Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass Gostyń ganz im Schatten der monumentalen Basilika auf dem Heiligen Berg am Stadtrand liegt, lohnt sich ein Besuch dieser Stadt selbst in hohem Maße. Gostyń ist überraschend interessant und verdient einen ausgiebigen Rundgang durch sein charmantes Stadtzentrum. Die Geschichte der Stadt reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, und die mittelalterliche Pfarrkirche hat trotz wechselnder Moden und Stile ihre gotische Bausubstanz nahezu perfekt bewahrt. Und zum Schluss noch ein süßer Akzent: Die berühmte Kondensmilch in der Tube aus der Molkereigenossenschaft in Gostyń schmeckt nirgendwo so gut wie hier!

Die Pfarrkirche von Gostyń

Das bedeutendste Denkmal der Stadt ist die gotische Pfarrkirche Hl. Margareta (gotycki kościół św. Małgorzaty). Sie ist das älteste historische Gebäude in der Stadt, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Einer der Ziegelsteine der Kirche trägt die Jahreszahl 1320 – möglicherweise ein Überrest des ältesten Gotteshauses, da das gegenwärtige Gebäude etwa hundert Jahre später errichtet wurde. Der Kirchturm ist 45 Meter hoch, obwohl er ursprünglich noch höher geplant war. Seit dem Jahre 1531 hat sich die äußere Gestalt der Pfarrkirche kaum verändert.

Der Hauptaltar stammt aus der Zeit um 1658. In seiner Mitte befindet sich ein Bild der Muttergottes vom heiligen Skapulier, und im Altaraufsatz – ein Gemälde der Heiligen Margareta von Antiochia. Besonders sehenswert ist die St.-Annen-Kapelle (kaplica św. Anny) mit einem Altar aus dem Jahre 1548.

Marktplatz und Stadtzentrum

Ein Rathaus ist seit jeher ein Symbol städtischer Selbstverwaltung und ein Grund zum Stolz für Einwohner. Das Rathaus von Gostyń wirkt auf den ersten Blick zwar eher klein, beeindruckt jedoch durch seine Form und seine Details. Das zweigeschossige Bau wird von einem kleinen Uhrenturm gekrönt und weist eine für Rathäuser eher ungewöhnliche, asymmetrische Architektur auf.

Das Gebäude befindet sich an der östlichen Seite des Marktplatzes, der heute das lebendige Zentrum der Stadt bildet, auch wenn er seine ursprüngliche Handelsfunktion verloren hat. Das zentrale Element des Marktplatzes ist ein Granitdenkmal, das an die während des Zweiten Weltkriegs ums Leben gekommenen Einwohner von Gostyń erinnert.

Etwas weiter südlich, an der Wschowska-Straße, stehen repräsentativere Gebäude: Das Gebäude des Landratsamtes, Schulgebäude und die Heilig-Geist-Kirche (kościół św. Ducha). Sie zeugen von der dynamischen Entwicklung der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Basilika auf dem Heiligen Berg (Bazylika Świętogórska)

Der Heilige Berg (Święta Góra) galt bereits im Mittelalter als ein besonderer Ort. Im 15. Jahrhundert wurde hier eine hölzernde Kapelle errichtet, in der sich verehrte Skulpturen der Pietà und des Kruzifixes befanden. Es soll hier auch zu wundersamen Heilungen gekommen sein. Aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt das Gnadenbild der Muttergottes, das den Heiligen Berg zu einem bedeutenden Wallfahrtsort machte. Im Jahre 1668 folgte der Orden der Oratorianer (Philippiner) der Einladung Adam Konarzewskis und ließ sich auf dem Heiligen Berg nieder. Dieser befindet sich bis heute im Besitz des Ordens.

Die Basilika wurde nach dem Vorbild der Kirche Santa Maria della Salute in Venedig erbaut – ein Bauwerk, das Zofia aus dem Hause Opaliński, die Ehefrau von Adam Konarzewski, tief beeindruckt hatte. An der Errichtung wirkten herausragende italienische Architekten mit: Jan und Jerzy Catenazzi sowie Pompeo Ferrari. Besucher können die weitläufigen Krypten der Kirche besichtigen und einen Blick in den Innenhof des angrenzenden Klosters werfen.

Der Heilige Berg ist zudem ein bedeutendes Zentrum des Musiklebens. Jedes Jahr im Herbst findet hier das international bekannte Oratorienfestival „Musica Sacromontana“ statt.