Der Nationalpark Drawa wurde angelegt, um die Gletscherlandschaft entlang zweier Flüsse zu schützen: der Drawa und ihres Nebenflusses – der Płociczna. Es ist einer der jüngsten Nationalparks in Polen (gegründet im Jahre 1990) und liegt an der Grenze der drei Woiwodschaften: Großpolen, Lebus und Westpommern.
Der Park besteht zu 80 % aus Wäldern: Kiefernwäldern, Buchen- sowie Eichen-Buchenwäldern, Erlenwäldern und sogar Auwäldern und Sumpfwäldern. Der wahre Schatz dieser Region sind jedoch die Gewässer. Der größte und landschaftlich abwechslungsreichste ist der Ostrowiec-See, am interessantesten ist jedoch der Czarne-See, der vor 10.000 Jahren entstand, als sich von dem zurückweichenden Gletscher ein riesiger Eisbrocken löste und letztendlich verschmolz. Dieser See hat keinen Abfluss, außerdem liegt er in einem tiefen Becken, was bedeutet, dass der Wind sein Wasser nie bis zum Grund aufwirbeln kann, und unterhalb einer Tiefe von 13 Metern ist der See so gut wie tot, da dort nur anaerobe Bakterien leben. Daher auch die dunkle Farbe des Wassers und die hohe Klarheit von bis zu 7 Metern. Im Nationalpark Drawa gibt es 20 unterschiedliche Seen: dystrophe, eutrophe und mesotrophe Seen.

Der bekannteste Fluss ist dort die Drawa, die wegen der atemberaubenden Landschaften und der schnellen Strömung – 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – bei Kanufahrern sehr beliebt ist. Die Drawa mündet in der Nähe von Krzyż Wielkopolski in die Netze, von wo aus eine äußerst interessante Kanufahrt entlang der Großen Schleife von Großpolen fortgesetzt werden kann.
Ein ungewöhnliches Phänomen in dem Nationalpark sind die Grundwasseraustritte. Es gibt drei Arten davon: Quellen, Ausflüsse und Sickerquellen. An solchen Orten entstehen auf natürliche Weise die Quellmoore. Eine einzigartige Pflanze in diesem Gebiet ist das Heidekrautgewächs namens Torfgränke, das in solch niederen Breitengraden normalerweise nicht vorkommt und in Polen als ein postglaziales Relikt gilt. Die Welt der Moose und Pilze ist äußerst vielfältig, darunter gibt es hier die seltene Speise-Morchel, den Ästigen Stachelbart oder den Glänzenden Lackporling. Zu den charakteristischen Tieren dieser Region gehören der Fischotter, der auch im Wappen des Nationalparks abgebildet ist, außerdem auch die Biber, Seeadler, Kormorane und Gänsesäger. Nicht zu vergessen sind auch die Fische, darunter solche Seltenheiten wie die Bachforelle, Europäische Äsche, Elritze, Groppe und die Seeforelle. Derzeit wird auch die Wiederherstellung der Lachspopulation in den Flüssen Drawa und Płociczna angestrebt, und zwar mit Lachsen, die in der lettischen Düna gezüchtet werden. Eine Kuriosität sind die zwei Wasserkraftwerke an der Drawa: in Borowo und Głusk.
Für Touristen gibt es dagegen zwei Informationsstellen in Drawno und Głusk. Der Eintritt in den Nationalpark selbst ist kostenlos, aber fürs Kanufahren, Angeln oder Zelten wird eine Gebühr erhoben. Es ist darauf zu achten, dass auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Kanufahrten auf der Drawa verboten sind.