Jeżyce

Jeżyce (Jersitz) ist neben Łazarz und Wilda einer der drei historischen Stadtteile von Poznań, die außerhalb des direkten Stadtzentrums liegen. Obwohl das Viertel erst im Jahr 1900 eingemeindet wurde, ist die Geschichte dieses Fyrtels (wie die Einheimischen sagen) wesentlich länger, und sein Einfluss auf die urbane Folklore von Poznań jest riesengroß.

Immerhin spielt genau hier die Handlung der berühmten Buchreihe Jeżycjada von Małgorzata Musierowicz; von hier stammt Peja – eine Legende des Posener Raps; hier haben sich Spuren der Posener Bambrzy (Bamberger) erhalten, und genau in Jeżyce sucht man nach den außergewöhnlichsten Cafés und Lokalen.

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Mural Jeżycjada (fot. M. Maćkowiak-Bartczak)

Bamberkowo

Hier konzentrierte sich das Leben des alten Jeżyce. In genau diese Gegend zogen im Jahr 1719 die ersten Bambrzy – also deutsche Siedler aus Bamberg (heute in Bayern), die von den Stadtbehörden eingeladen worden waren, um die nach Kriegen und Epidemien entvölkerten Vorstadtdörfer wieder zu besiedeln.

Von den Bambrzy sind viele interessante Spuren geblieben. Dazu gehört allen voran ein hervorragend erhaltener Hof an der Kościelna-Straße und ein zweiter, etwas vernachlässigter, an der Dąbrowskiego-Straße. An der letztgenannten Straße sehen Sie auch ein altes Wegkreuz, die erste Dorfschule sowie ein Fachwerkgebäude, das oft als ehemalige Post bezeichnet wird.

Auch die Kirche selbst wurde auf Bamberger Grund und Boden errichtet. Sie trägt den offiziellen Namen „Kirche des Allerheiligsten Herzens Jesu und des hl. Florian in Poznań“, obwohl die meisten Einwohner als Erstes den Schutzpatron der Feuerwehr nennen würden. Die Kirche wurde 1906 im neoromanischen Stil fertiggestellt.

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Kino Rialto (fot. W. Kasprzak)

Ein Zoo am Bahnhof

In Jeżyce befindet sich auch einer der zwei zoologischen Gärten von Poznań. Der sogenannte „Alte Zoo“ ist heute ein für alle offener Park, in dem vor allem Tiere wie Ziegen, Esel, Schafe, Zebus oder Ziergevögel leben. Es gibt hier auch ein Pavillon für Primaten, ein Gehege für Lemuren sowie ein Warmhaus für wechselwarme Tiere, wo Sie exotische Schlangen oder einen Komodowaran sehen können.

Das Interessanteste ist jedoch, dass der Zoo nicht nur auf dem Gelände des Gartens am ersten Posener Bahnhof entstand, sondern auch mehr oder weniger durch einen Zufall.

In dem im alten Bahnhof existierenden Restaurant traf sich der lokale Kegelclub, dessen Vorsitzender zum 50. Geburtstag ein sehr ungewöhnliches Geschenk bekam: eine Ziege, ein Schaf, ein Zwergschwein, eine Katze, ein Kaninchen, ein Eichhörnchen, eine Gans, eine Ente, ein Huhn, einen Pfau sowie einen von reisenden Roma gekauften Affen und einen dressierten Bären.

Diese Menagerie wurde zum Keimkreis des zukünftigen zoologischen Gartens, dessen professionelle Tätigkeit im Jahr 1874 begann.

Die Mietshäuser von Jeżyce

Jeżyce ist der perfekte Ort für einen entspannten Spaziergang, bei dem man nicht ein touristisches Highlight nach dem anderen abklappert, sondern in aller Ruhe das Stadtbild genießt, den Blick nach oben richtet, um architektonische Details zu entdecken, und (wenn möglich) in die alten Hinterhöfe hineinschaut.

Achten Sie dabei auf die unterschiedliche Bebauung in den verschiedenen Teilen des Viertels. An der Mickiewicza-Straße befinden sich herrschaftliche Stadtvillen für höhere Beamte oder Professoren. Die Gegend rund um die Straßen Dąbrowskiego, Kraszewskiego, Słowackiego oder Szamarzewskiego bietet dagegen wunderschöne Jugendstil-Mietshäuser, die nach und nach in neuem Glanz erstrahlen.

Das berühmteste steht an der Roosevelta-Straße 5 – genau dort spielt sich die Handlung der bereits erwähnten Jeżycjada ab. Eindruck machen auch die öffentlichen Gebäude. Das bekannteste ist das Teatr Nowy (Das Neue Theater) – eine oft avantgardistische Bühne, die in einem prachtvollen Gebäude mit einem charakteristischen Türmchen untergebracht ist. Man kann auch unmöglich am Dom Tramwajarza (Haus des Straßenbahners) mit seiner markanten rosa Fassade vorbeigehen, oder am riesigen Gebäude der Sozialversicherung ZUS, dessen modernistische Form schon in den 1930er Jahren faszinierte.